Die Vegan Planet 2016

Am liebsten wäre ich ja mit meinem Papa zur „Vegan Planet“ gegangen. In meiner Familie darf ich zwar manchmal ein paar vegane Gerichte kochen, aber meine Spinatstrudel und Kürbiscurrys werden dann doch mehr als Beilage gesehen – und dementsprechend häufig mit Frankfurtern ergänzt. Weil mein Papa aber leider in Oberösterreich ist und eine vegane Messe wahrscheinlich ungefähr der letzte Grund im Universum für ihn wäre, nach Wien zu fahren, wurde aus dem Familienausflug leider nichts. Die „Vegan Planet“, die in Kooperation mit der „Yoga Planet“ im MAK stattfand, war aber trotzdem ziemlich super. Es gab rund 120 Stände, die unterschiedlichste Produkte anboten: Von Vanillekipferleis bis nachhaltigen Hygieneprodukten für Frauen war alles dabei.

Da ich schon seit längerem großteils vegan esse und bereits viele Dinge ausprobiert habe, war ich ziemlich neugierig, inwiefern es für mich auf der Messe überhaupt etwas Neues zu entdecken gibt. Völlig unbegründet, wie ich bald feststellte, da die Vielzahl an unterschiedlichen Ständen tausend Dinge anboten, die ich vorher noch nie gesehen habe.

Meine absolute Favorite-Neuentdeckung sind die Trinkflaschen von „Nuapua“, die in der Nähe meines Heimatortes produziert werden. Das Konzept dahinter ist recht einfach erklärt: Der Drehverschluss der Flaschen ist so konzipiert, dass man sogenannte Flavorkapseln einbauen kann, die das Wasser mit unterschiedlichen Geschmäckern versehen – quasi wie Vöslauer Balance, nur ohne Zucker. Ich habe mich durch alle sechs Sorten gekostet und konnte mich am Ende nicht entscheiden, ob ich Karamell-Vanille oder Inger-Zitronenmelisse besser finde. Die anschließenden Ingwer-Shots von „Mein Ingwer“, die – sagen wir mal so – etwas intensiver waren als das Flavor-Wasser, trieben mir fast Tränen in die Augen. Mein Immunsystem ist jetzt aber bestimmt unbesiegbar.

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Wirklich schwach geworden bin ich dann bei den Massagegeräten von „Donnerberg“. Ich kenne die Geräte bereits von der Wiener Buchmesse und schon dort musste man mich davor bewahren, mein halbes (studentisches) Monatsbudget für ein Gerät auszugeben. Ich lasse mich grundsätzlich relativ schnell für etwas begeistern und krame schon freudestrahlend nach meiner Geldtasche, wenn andere den beworbenen Gegenstand noch relativ kritisch beäugen. Glücklicherweise hatte ich eher wenig Bargeld, dafür aber eine Begleitung, die sehr down-to-earth ist, dabei („Glaubst du WIRKLICH, dass du besser schläfst, wenn du einen strahlungsabweisenden Sticker auf dein Handy klebst? Bist du dir SICHER, dass du dieses Abo haben möchtest?“).

Nach etwa der Hälfte der Zeit und mit kostprobengefülltem Magen stießen wir bei „Young Living“ vorbei. Meine Begleitung beklagte sich über Kopfschmerzen und die ätherischen Öle der Marke sollten eine Art Wundermittel dagegen sein. Ungefähr fünf Tropfen Pfefferminze reichten, um uns in ein anderes Universum zu katapultieren. Der Geruch war so intensiv, dass wir uns kurz ein wenig benommen fühlten und dankbar waren, das Geruchserlebnis im Sitzen ausprobiert zu haben. Die Kopfschmerzen waren danach zwar weg, aber dafür auch gefühlt der restliche Inhalt unseres Kopfes. Fazit: Nie die Macht ätherischer Öle unterschätzen.

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Den mit Abstand größten Teil der Messe nahmen allerdings Lebensmittel ein. Ich entdeckte meine geliebten Raw-Bite-Riegel, die ich mir normalerweise nur selten gönne und testete nebenbei gefühlt 25 verschiedene Milch-Sorten. Spätestens nach Cashew-Reis (1/10 Punkten) und Schoko-Kokos (12/10 Punkten) mit Mannermüsli, das ab sofort auf meiner Einkaufsliste fest verankert ist, war ich so voll, dass ich mir eine Auszeit nehmen wollte – und mich nebenbei zum Kickboxen anmeldete. In meinen Gedanken sehe ich mich schon genauso kämpfen wie Gigi Hadid.

Dieses extrem vielfältige Angebot an Nahrungsmitteln hat mich wirklich überrascht. Es gab deftige Speisen genauso wie Cupcakes und Eis. Teilweise wurden typisch österreichische Produkte mit veganer Rezeptur angeboten, aber auch internationale Küche war stark vertreten. Besonders den Hummus von DeliDip möchte ich hier hervorheben, da er nicht in Einwegplastikschüsseln serviert wurde, sondern in essbarem Material. Ziemlich cool, da bei so großen Veranstaltungen ja immer massenhaft Müll anfällt – selbst dann, wenn sich eigentlich alles um Nachhaltigkeit dreht.

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Am meisten erstaunte mich aber das Publikum. Ich rechnete im Vorhinein mit einem massiven Überschuss von jungen Frauen. Ja, die meisten BesucherInnen waren jung und weiblich, aber das Publikum war insgesamt um einiges vielfältiger, als ich es mir vorgestellt habe. Veganismus ist inzwischen bedeutend mehr als nur eine Nischenbewegung für Hipster aus dem 7. Bezirk. Die „Vegan Planet“ wurde von Menschen aller Altersklassen und Geschlechter besucht. Spätestens als ich Männer um die 50 in Yogakleidung sah, wurde mir bewusst, wie divers die vegane Szene eigentlich ist.

Wer leider nicht die Möglichkeit hatte, die „Vegan Planet“ zu besuchen (oder sich weigerte mich zu begleiten), kann sich über die verschiedenen Aussteller unter www.vegan-planet.at informieren. Ich habe übrigens ein Weihnachtsgeschenk für meinen Papa gefunden. Veganes Schmalz. Mal schauen, ob er merkt, dass es ohne tierische Produkte hergestellt wurde…

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